125 Jahre Liedertafel

Ein guter Grund um zu feiern und das machen wir auch sobald es wieder möglich ist.

Aber auch ein guter Grund für einen Blick zurück in die Geschichte. Mit unseren Beiträgen „Liedertafel-Zeitsplitter“ wollen wir Ihnen in diesem Jubiläumsjahr bekanntes und weniger bekanntes aus der Liedertafelgeschichte erzählen.

Liedertafel – Zeitsplitter #12 – Unser Vereinsheim

Wir bauen ein Vereinsheim! Der Gedanke, schon 1964 geboren, brauchte Zeit zum reifen, doch die Platzprobleme durch die verschiedenen Chorgruppen drängten in den 70er Jahren auf eine Lösung.

Es standen im Ort einfach nicht genügend Räume in Menge und Art zur Verfügung. Dank der Unterstützung durch die Stadt Leimen konnte das große Wagnis beginnen. Am 29.03.1980 fiel mit dem 1. Spatenstich der Startschuss und 4 Jahre später konnte unser Vereinsheim eingeweiht werden.

Die Festschrift zum 25jahrigen Jubiläum  dokumentiert diese Bauzeit auf unterhaltsame Weise und hält herrliche Geschichten, Bilder und natürlich viele Daten und Fakten für den interessierten Leser bereit.

Weniger bekannt und noch lange nicht zu Ende erzählt sind die Geschichten über und mit unseren Wirten aus vielen Nationalitäten. Seit der Eröffnung des Restaurants 1984 haben uns 11 Wirte aus 10 Nationen mit ihren jeweiligen Spezialitäten verwöhnt.

Von der gut bürgerlichen Deutschen Küche über serbische und kroatische Gerichte, französisch Anklänge, spanische, griechische und italienische Leckerbissen:  all das konnte man in den Jahren bei uns in angenehmer Atmosphäre genießen.

Denn auch das Ambiente der Räumlichkeiten wurde immer wieder verändert und passte sich dem Küchenstil thematisch an. Auffallendstes Beispiel war die Verwandlung in einen griechischen Tempel, samt Säulen und Amphoren.

So brachten unsere Wirte/innen  auch den Flair des jeweiligen Herkunftslandes mit. Da wird doch klar, warum sich Leimen auch Europastadt nennt. Zumindest für die Küche trifft das zu.

Sammelbild Wirte der Liedertafel

Lustige und weniger lustige Geschichten gibt es da so zu berichten, eine dramatische und trotzdem wenig bekannte, ist eher einer der Schreckmomente für den Vereinsvorstand.

Es ist Montag, den 02.02.2004, 13:43 Uhr. Das Telefon klingelt, eine atemlose Stimme am Hörer:  „Die Liedertafel brennt“

Doch wir haben Glück im Unglück, Dank des schnellen Eingreifens der Leimener Feuerwehr konnte ein Kaminbrand rechtzeitig gelöscht und ein Übergreifen auf den Dachstuhl verhindert werden. Die Ursache des Brandes  wird danach ein Fall für das Schulungshandbuch der Leimener Feuerwehr. Die Ermittlung der Brandursache ergibt:

Ein Beschäftigter des damaligen Pächters hatte den Holzkohlengrill  für eine Weihnachtsbaum-Entsorgung der feurigen Art zweckentfremdet.

Die Flammen entzünden den Fettfilter und ab geht´s durch den Kamin!                              

Das Vereinsheim brennt

Ein Lob steht am Ende im Bericht der Feuerwehr.

„Die ordnungsgemäß hergestellte Dachdurchführung verhinderte eine Brandausbreitung auf den Dachstuhl.“

So rettet die gute Arbeit unserer „Bauarbeiter“ unser Vereinsheim!

Auf Kochen mit offenem Feuer  hatte dann keiner in der Liedertafel mehr so richtig Lust.

Der Holzkohlengrill in neuem Anstrich wurde nur noch für Dekorationszwecke genutzt und Jahre später beim Umbau der Theke endgültig aus dem Innenraum entfernt.

RK        

Liedertafel – Zeitsplitter #11 – Wir feiern die Feste wie sie fallen

Neben der musikalischen  Arbeit der Chöre wird unser Verein seit seiner Gründung  auch immer durch die von ihm veranstalteten Feste und Veranstaltungen wahrgenommen.

Dabei halten wir uns streng an unsere Satzung, die im § 2 „Zweck des Vereins“ klar beschreibt:

„Zur Erreichung seines Ziels hält der Verein regelmäßig Chorproben ab und veranstaltet Konzerte. Er übt insofern eine Kulturfunktion im Dienste der Öffentlichkeit aus. Kameradschaft und Geselligkeit sollen diese Ziele vertiefen.“

 Noch vor der Einführung von Weihnachtsfeiern, feierte der Verein traditionell seine Gründungsjubiläum. Später trat der Winterball an dessen Stelle.

Schon in den 50er und 60er Jahren waren diese Veranstaltungen sehr beliebt. So notierte der Schriftführer zum Vereinsball am 28.Januar 1950:

„Nur zu schnell verging dieser schöne Abend und alle hätten weiter getanzt, wenn die Musik nicht nach Hause gegangen wäre“.

Die Winterbälle der Liedertafel gefielen vor allem durch das bunte Programm, das neben chorischen Darbietungen auch viele humorvolle Auftritte bot, allesamt von den Mitgliedern der Chöre gestaltet. Die Bälle waren so beliebt, dass man diese in die Festhalle des Zementwerkes verlegen konnte und auch dort den Saal problemlos füllte.

So feierte die Liedertafel Winterball, Kappenabende, Fastnachtstanz für Jedermann und suchte Ostereier im Menzerpark. Wir singen und lachen bis heute auf dem Waldfest, früher auch beim Wiesenfest auf den Streuobstwiesen Leimens, bei Kerwe-Tanz und Weinkerwe.

Sammelbild Waldfest

Die RNZ berichtete im August 1970 von „Volksfeststimmung auf dem Leimener Waldsportplatz“ und erwähnt über 1000 Gäste beim Auftritt der Militärkapelle der 33. US Armee, dem Höhepunkt am Samstagabend.

Der Platz war übrigens zur damaligen Zeit noch nicht so eben wie heute, berichtete eine Zeitzeugin, die damals auch als Bedienung auf dem Fest half und sich an schwierige Bedingungen beim Servieren erinnert. Schmerzende Füße bei Schichtende inbegriffen.

Sammelbild Lichterfest

So gibt es für jede Jahreszeit das passende Fest und wenn nicht, dann wird noch eines erfunden. So  unsere neueste „Kreation“  das Lichterfest im Menzerpark, mit seinem ganz eigenen Flair.

RK

Liedertafel – Zeitsplitter #10 – Das Dreamteam

Von der langjährigen fruchtbaren Zusammenarbeit der Liedertafel mit ihrem Dirigenten Werner Kaiser haben wir bereits erzählt. Auf der Gegenseite stand als Partner ebenfalls eine langjährig im Amt tätige Vorstandschaft.

Prägende Persönlichkeit im Vorstand der Liedertafel war der Vorsitzende Erhard Renner – Mister Liedertafel. Erhard Renner lenkte über 50 Jahre die Geschicke des Vereins.

Erhard Renner Vorstand 1953-2000

Erhard Renner war 1936 mit 14 Jahren in die Liedertafel eingetreten, seit 1949 war er stimmberechtigter Vertreter des 1.+2. Vorsitzenden,  danach 2.Vorsitzender von 1951 bis 53 und 1.Vorsitzender bis ins Jahr 2000.

Die Liedertafel dankte ihm diese Lebensleistung mit der Wahl zum Ehrenvorsitzenden und benannte schon zu Lebzeiten den Saal des Vereinsheims nach ihm: „Erhard Renner Saal“.

Das Wirken Erhard Renners im Zusammenspiel mit Werner Kaiser ist schon oft und ausgiebig beschrieben worden und keine weitere Aufzählung kann dem mehr gerecht werden.

Doch lohnt der Blick hinter diese beiden Protagonisten, in die sogenannte 2.Reihe.

Damit große Werke gelingen, bedarf es neben eines kühnen Baumeisters auch eines fähigen und engagierten Teams. Und dies fand sich im Vorstand neben Erhard Renner in ganz besonderer Weise. In den vielen Jahren seiner Vorstandschaft konnte er sich nicht nur immer auf den 2. Vorsitzenden, Dieter Kettenmann und den Schatzmeister der Liedertafel, Rolf Zuber verlassen (beide ebenfalls über 50 Jahre im Vorstand), sondern auch alle anderen Vorstands-mitglieder waren auffallend lange in ihren Ämtern. Erwähnt sei insbesondere der Veranstaltungsausschuss unter der Verantwortung von Herbert Schuppel und Günter Refior, der einen ganz besonderen Stellenwert für die Liedertafel und deren öffentliche Wahrnehmung hatte. So bildete sich ein eingespieltes Team, mit der auch große Aufgaben bewältigt werden konnten.

Und Großes hatte die Liedertafel auch vor – träumte man doch schon seit Jahren von einem eigenen Vereinsheim!

Sängerlokale der Liedertafel

Die Geschichte der Liedertafel ist auch immer eine Geschichte der Vereinslokale, in der die Liedertafel für Proben, Feiern und Aufführungen ein Zuhause fand.

Im Leimen der 50er Jahre gab es eine ganze Reihe Gasthäuser mit einem Saal.

Nur groß genug musste er für die Probe auch sein, fanden sich doch zeitweise über 90 Sänger zu den Proben ein. Mit dem dazu notwendigen Klavier oder Flügel und dann noch etwas Platz für den Dirigenten, brauchte es schon einen größeren Raum.

Nicht zu vergessen: Aufbewahrungsmöglichkeiten für Noten, Pokale und was man halt als Verein so hat und braucht.

So zwang der größer werdende Chor zum Umzug vom ersten Vereinslokal  „Zum Rössel“ weiter zum Gasthof „Zum Weinberg“ und als dieser im Jahr 1965 der Verlegung der L600 zum Opfer fiel, musste man wieder nach neuen Räumlichkeiten Ausschau halten. In diese Zeit fielen die ersten Überlegungen zum Thema Sängerheim.

Der Vorstand verhandelte mit Herrn Georg Bähr über den Kauf dessen „Turnhalle“ in der Nußlocher Straße und hatte von ihm auch schon eine mündliche Zusage erhalten. In den Protokollen wurde als Ziel „der Beginn der Arbeiten in der Turnhalle im Januar 1965“ genannt. Da jedoch auch die Gemeinde Leimen das Objekt erwerben wollte, zog man sich daraus wieder zurück.

Man fand zwischenzeitlich eine Probemöglichkeit in der Aula der örtlichen Schule, bis man am 2.September mit „Flügel und Notenschrank“  ins neue Vereinslokal „Zur Rose“ umziehen konnte.

Eine Konsequenz aus diesen Kaufüberlegungen war die Erkenntnis, dass die Umwandlung in einen e.V. Voraussetzung für einen solchen Eigentumserwerb als Verein notwendig wäre.

Der Beschluss dazu fiel in der Jahreshauptversammlung am 6. Januar 1965. Bis zur Eintragung des Vereins im Vereinsregister am 12. August 1965 dauerte es dann noch ein bisschen, aber die Weichen waren gestellt.

RK

Liedertafel – Zeitsplitter #9 – Neue Chöre – Neue Musik

Die Geschichte des Wandel vom MGV Liedertafel Leimen zum GV Liedertafel Leimen e.V. ist unmittelbar mit der Persönlichkeit des langjährigen Dirigenten der Liedertafel Werner Kaiser verbunden.

In 38 Jahren als Dirigent der Liedertafel (1955 bis zu seinem Tod im Jahre 1993) sorgte er nicht nur für ein beachtliches musikalisches Fundament, sondern brachte aus seiner Arbeit als Gymnasiallehrer auch immer wieder neue Impulse in den Verein.

In dieser langen Zeit ging es natürlich auch um die hohen Ansprüche, die Werner Kaiser an sich, aber auch an seine Sänger stellte. Und er war mit seinem Liedertafel Chor auch nicht immer zufrieden.

Der in seinen Augen stark wechselnde und schwache Singstundenbesuch war für Werner Kaiser ein Grund anzukündigen, sein Engagement zu 1.01.1964 kündigen zu wollen.

Die Vorstandschaft war dadurch natürlich alarmiert und setzte dieses Problem auf die Tagesordnung der Vorstandsitzung.

Auf dem Papier war der Chor zu dieser Zeit ca. 90 Sänger stark. Realistisch das Problem betrachtend, beschloss man in dieser Sitzung eine Sollstärke für den Chor  von 60 Sängern und versprach Werner Kaiser selbstbewusst:  

„Man ist der Auffassung, dass 60 Sänger immer anwesend sein können.“

Gesagt, getan der Dirigent konnte überzeugt werden und die Kündigung war vom Tisch.

Schon lange förderte Werner Kaiser die Einbindung der Sängerfrauen auch in die musikalische Arbeit, durch deren Mitwirkung nicht nur bei den jährlichen Theaterstücken zur Weihnachtsfeier, sondern auch bei den beliebten Operettenaufführungen, die eine besondere Tradition in der Liedertafel haben. Bereits 1930 führte die Liedertafel die erste Operette „Der Bratelgeiger“ auf, 2 Jahr später „Die Winzerliesel“. Im Jahr 1950 nahm man diese Tradition wieder auf. Nach „Die Winzerliesel“ folgte 1953 „Glück am Rhein“,  Aufführungen die von der Leimener Bevölkerung mit Begeisterung aufgenommen wurden.

Die kleine Chorgruppe der Spätheimkehrer, die schon seit mehreren Jahren für Unterhaltung bei der Winterfeier und anderen Gelegenheiten sorgten, wurde durch die Mitwirkung ihrer Ehefrauen zur gemischten Chorgruppe. Die Einstudierung  der Auftritte übernahm Werner Kaiser persönlich. Nachdem die Sängerfrauen bei der „Berliner Luft“ noch für das farbenfrohe Bild der Darbietung sorgten, wurden sie für die nächsten Auftritte zum Singen ermutigt und in extra Singstunden die Musicalmelodien von „My Fair Lady“, „Oklahoma“ und „Im weißen Rössel“ einstudiert. Die Werbung für die Winterfeier 1974 spricht immerhin schon von der gemischten Chorgruppe der „Spätheimkehrer“

Während hier ein Anfang gemacht war, das musikalische Spektrum zu erweitern, aber der Gedanke wohl noch reifen musste, ging es mit einer anderen Chorgründung sozusagen ruck-zuck.

Keine  3 Monate dauerte es vom Vorstandsbeschluss am 18.10.1974 bis zum ersten Chorauftritt  des Kinder- und Jugendchors auf der Weihnachtsfeier der Liedertafel am 21.Dezember. Schon bei der ersten Singstunde am 25.10.1974 waren 66 Kinder gekommen.

Genial einfach der Ansatz: die Schule stellt den Raum, der Verein den Dirigenten und das ganze beitragsfrei und ohne dass die Kinder Mitglieder des Vereins werden mussten. Lange vor den heute so hochgelobten Kooperationen Verein-Schule hat dies funktioniert. Als Pädagoge hatte Werner Kaiser hier leichtes Spiel, aber wohl auch gute Verbindungen zu den Leimener Schulen. 

Kinderchor 1986

Mit der Überschreitung der 100er Grenze wurde im Frühjahr 1975 ein zusätzlicher Jugendchor gebildet. Die Jugendlichen sollten dort bis zum 14. Lebensjahr singen und dann in den Männerchor wechseln.

Nun waren aber schon damals viele der Kinder und Jugendliche Mädchen und für diese gab es keinen Erwachsenen Chor. Um hier Abhilfe zu schaffen, gründete die Liedertafel 1979 einen Frauenchor. Auf der Basis der schon bei den „Spätheimkehrern“ mitsingenden Ehefrauen und weiteren Interessierten entstand aus 23 Frauen und 11 Jugendlichen der Frauenchor der Liedertafel.

Frauenchor 1986

RK

Liedertafel – Zeitsplitter #8 Prunkstücke

Der fleißige Besuch von Sängerfesten und Wertungssingen brachte der Liedertafel über die Jahre eine Fülle von Pokalen, Urkunden und Ehrenzeichen ein.

Aus den Jahren vor 1945 sind leider keine Erinnerungsstücke mehr vorhanden, denn während des 2. Weltkrieges mussten die kompletten bis dahin errungenen  Pokale abgegeben werden.  Der entsprechende „Beschluss“, die in 45 Jahren errungenen Ehrenpreise des Vereins der Materialspende zuzuführen, wurde am 8. April 1940 gefasst.

Freiwillig war das sicher nicht. Seit 1933 hatte das Gleichschaltungsgesetz schon ganz andere Veränderungen bewirkt. Nicht nur die Titulierung „1.Vorstand“  war in „Der Führer“ geändert worden, nach Maßgabe des Sängergaus Wiesloch mussten auch 51% der Vorstandschaft Mitglieder der NSDAP sein.

Mit welch schwerem Herzen man sich von diesen Erinnerungen trennte, zeigt die penibel  aufgeführte Beschreibung der  Stücke im Protokoll

  „…führte die im Besitz des Vereins befindlichen Ehrenpreise (11Plaketten, 1 Fahnen-kranz, 2 Kränze und 9 Pokale) der Materialspende des Reiches zu.“

Mit dem Neustart 1948 wurden wieder neue Trophäen errungen und das mit solchem Erfolg, dass die Aufbewahrung derselben organisiert werden musste.

So vermerkt der Schriftführer Georg Michel am 28.7.1968 „.. dass zwecks Neuanschaffung eines Pokalschrankes der 1.Vorsitzende und Erich Schäfer die Weinstube in Nußloch besuchen, um dort eine Einrichtung zu begutachten, die zur Aufbewahrung der Pokale geeignet ist“. Wie der Besuch in der Weinstube endete, ist jedoch im Protokoll nicht vermerkt.

Im Vorstandzimmer der Liedertafel steht heute jedenfalls ein bis zum Rand gefüllter  Pokalschrank, der an viele beeindruckende Erlebnisse erinnert.

Übrigens sind dies noch lange nicht alle Pokale, ein Großteil der Pokale aus Sportveranstaltungen ist, wegen Platzmangel im Schrank, ausgelagert.

Unter der Vielzahl von errungenen Auszeichnungen und Pokalen sind einige besondere „Raritäten“, wie unschwer auf dem Bild zu erkennen ist, aber auch Pokale, auf die der Verein ganz besonders stolz sein kann.

RK

Liedertafel – Zeitsplitter #7 Auf zu neuen Ufern

Nach der erfolgreichen Durchführung der 55-jährigen Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahre 1951 führte das Streben des Chores nach Erfolg bei Wertungs- und Prädikatssingen  in den nächsten Jahren  dazu, dass sich der Verein auf die Suche nach einem jungen Dirigenten machte, der möglichst langfristig als Chorleiter zur Verfügung stehen sollte.

In der Gesangsstunde am 26.01.1955 wird die Dirigentenfrage endgültig entschieden. Nach 2 Probe-Singstunden wählten die Sänger einstimmig Herrn Werner Kaiser zum neuen Dirigenten der Liedertafel. Eine Wahl von entscheidender Tragweite.

Mit Werner Kaiser und dem seit 1953 im Amt des 1.Vorsitzenden agierenden Erhard  Renner macht sich die Liedertafel auf zu neuen Ufern. Was daraus alles werden würde, war zum damaligen Zeitpunkt sicher noch nicht abzusehen. Aber was stabile Verhältnisse und Kontinuität in der Vereinsführung ermöglichen, sollte sich sehr bald zeigen.

Zuerst ging es einmal darum, den Zusammenhalt in Chor und Verein zu stärken und die angestrebte musikalische Qualität zu erreichen, die dem Selbstverständnis der Sänger entsprach. Diente dem einen Zweck der Besuch von Sängerfesten und Wertungssingen, so wurde gleichzeitig eine Vielzahl von Veranstaltungen begründet, organisiert und durchgeführt. Kappenabende, Maskenbälle, Weihnachtsfeiern, Kameradschaftsabende, Waldfeste,  Ausflüge als Chor und als Verein gemeinsam mit den passiven Mitgliedern und der ganzen Familie.

Um, insbesondere auch die jungen Sänger, an die Chorgemeinschaft zu binden, wurde aktiv an vielen sportlichen Veranstaltungen (Gemeindesporttag) teilgenommen, z.B. Fußball und Kleinfeld-Handball. Bei Ortsmeisterschaften kämpfte man um Siege und Pokale: beim Kegeln und Schießen sowie Leichtathletik und Radball, All dies führte gezielt zur Teambildung, der auch die nach der Singstunde gebildeten Tischgruppen dienten.

So fanden sich bei  den „Blauen Jungs“ und den „Spätheimkehrern“ besonders aktive junge Sänger zusammen. Mit Fug und Recht kann behauptet werden, dass hier die Basis für ein überaus erfolgreiches Vereinsleben in den nächsten Jahrzehnten gelegt wurde.

RK

Liedertafel – Zeitsplitter #6

Beim Blättern in alten Protokollbüchern findet sich so manches was in der Vergangenheit des Aufbewahrens und der Sammlung für würdig erachtet wurde.

Über das nachfolgende Gedicht mit dem bezeichnenden Titel „Vorstand – Freud und Leid“ konnten wir doch sehr schmunzeln, denn so manches Stückchen  Wahrheit steckt darin.

Daher möchten wir Ihnen dieses „Fundstück“ auch nicht vorenthalten:

Vorstand – Freud und Leid

Der Vorstand hat den Chor zu führen

und alles recht zu organisieren.

Er muß die Dinge graderücken

vor denen andre sich gerne drücken.

Man kann sich rein die Weste putzen

und ihn als Mülleimer benutzen

für allen Abfall an Kritik

sei´s wegen Auswahl der Musik,

sei´s, weil ein Konzert nicht klappte,

weil zuviel Beitrag man berappte,

weil man ein Lied nicht gerne singt,

weil einer einen Gast mitbringt,

den man nicht gerne leiden mag,

weil ein Konzert fällt auf den Tag,

an dem man sonst ins Kino geht

sei´s weil man nicht so recht versteht,

warum der Vorstand so beflissen,

von allen Sängern genau zu wissen,

weshalb sie nicht immer zur Probe kommen,

Der Vorstand ist zu Nutz und Frommen

der Chorgemeinschaft auserwählt,

damit er sie zusammenhält.

Entnommen der Deutschen Sängerbundeszeitung“Lied und Chor“ ( Ausgabe ca. 1950-60)

Besonders interessant aber, die Ursprungsangabe die sich dabei befindet:

Aus dem Mitteilungsblatt des Windhoecker Männerchors, Südwestafrika.

(Verfasser ist offenbar Walter Heinrich, Vorstandsmitglied des Chors und Schriftleiter des Mitteilungsblattes.)

Wie sich doch immer wieder alles ähnelt, es „menschelt“ gestern, heute und in Zukunft.

Und wer je einmal Vorstand war, versteht das umso besser.

Also liebe Vorstände bitte nehmt es mit Humor, dann trägt es sich leichter.

RK

Liedertafel – Zeitsplitter #5

Sängerfest und Fahnenweihe

Unser Zeitsplitter #4 erzählte von der Geschichte unserer Vereinsfahne, die frisch restauriert anlässlich des 55. Jubiläums im Rahmen eines großen Sängerfestes geweiht wurde.

Welchen Stellenwert ein solches Fest in der damaligen Zeit für die Bevölkerung Leimens hatte,   lässt uns heute staunen.

Das Protokoll vom 2.Juni 1951über dieses Fest liefert einen ersten Eindruck:

„Die Bevölkerung zeigte lebhaftes Interesse und so war der kleine Ort Leimen bald in ein Meer von Blumen, Birken, Fahnen und Fähnchen verwandelt und ganz Eifrige haben einen Kranz geflochten und über die Straße gespannt…“

Die Presseberichte sprechen von der „geschlossenen Teilnahme“ der Leimener Vereine.

Aus der gesamten Umgebung nahmen mehr als 16 Gesangsvereine an diesem Ereignis  mit über 1.000 Sängern teil.

Dass die Berichterstattung in der Presse über Leimen in ihrer eher distanzierten Art, ebenfalls Tradition hat, kann man folgendem Artikel über die Veranstaltung entnehmen:

„Und dass die sonst immer etwas zurückhaltenden Leimener diesmal fast ausschließlich von der Festfreude der Sänger erfasst wurden, kann dem MGV Liedertafel als Kompliment gesagt werden, obwohl es weniger ein Kompliment ist als vielmehr der Beweis, dass hier vielleicht zum ersten Mal alle Voraussetzungen für eine große Festveranstaltung erfüllt werden…“

 Zum Glück gab es aber auch begeisterte Berichte wie den der RNZ vom 5.Juni 1951 die da titelt  „Das größte Fest seit 20 Jahren“ und weiter schreibt:

„….Der für aktive Sänger und Kunstfreunde interessanteste Teil rollte zweifellos am Sonntagmorgen in der Festhalle ab, die bis auf den letzten Platz besetzt war und somit rd. 3000 Personen aufgenommen hatte…“

Die Festhalle

Doch was hatten nicht nur die Verantwortlichen, sondern ganz Leimen in der Woche zuvor gebangt. Wollte doch in der Woche vom 27.Mai bis zum Sonnabend  2. Juni der Regen kein Ende nehmen. Kein Wunder, dass dies auch Einzug in den Bericht des Schriftführers fand:

„Unsere Befürchtungen dass unser Fest verregnet, trafen nicht ein, obwohl es die ganze Woche geregnet hat. Am Sonnabend klärte sich der Himmel auf und die gefährlichen Wolken waren in der Mittagsstunde schon verschwunden….“

So hatte am Ende der Wettergott ein Einsehen mit den Liedertafel Sängern und das 3-tägige Fest konnte bei heiterem Sonnenschein stattfinden.

Sichtlich erleichtert  konnte der Schriftführer am 3.Juni festhalten:

“…es herrschte eine wundervolle Stimmung überall, zumal uns der Wettergott nicht im Stich gelassen hat. Das Sprichwort: “Wie der Freitag sich zeigt, so der Sonntag sich neigt.“ fand keine Zustimmung. Es war unser Glück! …“

Und am Montag den 4.Juni wurde voll Freude vermerkt:

„auch der Montag brachte uns ein volles Zelt und unser Fest fand einen harmonischen Ausklang. Der Kassenerfolg war so groß, dass der arme Kassier Tag und Nacht das Geld zählen musste“

Nun, zu so einer Sonderschicht  würde sich heute mancher Kassier sogar freiwillig melden.

RK

Liedertafel – Zeitsplitter #4

In unserem Liedertafel Zeitsplitter #2 zeigten wir Ihnen ein Bild der Liedertafel Leimen, aufgenommen anlässlich der Fahnenweihe im Jahr 1901.

Zum 55. Jubiläum  der Liedertafel im Jahre 1951 stand neben einem mehrtägigen Sängerfest  auch eine Fahnenweihe auf dem Programm.

Nachfolgend ein Bild unserer Vereinsfahne, die in unserem Vereinsheim im Sitzungsraum des Vorstandes aufbewahrt wird.

Vereinsfahne Liedertafel Vorderseite

 

Vereinsfahne Liedertafel Rückseite

Unsere Fahne trägt auf dieser Seite die Jahreszahl der Gründung 1896 und das Jahr 1951 als Jubiläumsjahr und Jahr der Fahnenweihe.

Auf der Rückseite der Fahne ist ein Wahlspruch aufgestickt, der sozusagen das Motto der Liedertafel darstellt. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere noch wie dieser Spruch lautet? Allen anderen sei es hier verraten. Dort steht: „Im Klang  der Töne erblühet das Schöne“.

Beim Sichten der Vereinschronik stellte sich die Frage: was war denn aus der Fahne von 1901 geworden? Ging diese in den Kriegswirren verloren? Auch Nachfragen bei Zeitzeugen der Fahnenweihe  von 1951 konnte diese Frage nicht beantworten.

Zum Glück ist die Liedertafelgeschichte, dank der Aufzeichnungen unserer Schriftführer, seit jeher exakt dokumentiert  Die Recherche in den Protokollbüchern brachte eine kleine Sensation  zum Vorschein.

Die erste Fahne der Liedertafel ist zumindest in Teilen nach wie vor vorhanden!

In Teilen deshalb, weil man sich 1950 dazu entschied, anstatt eine neue Fahne anfertigen zu lassen, die alten wertvollen Stickereien zu erhalten und  die Fahne reparieren zu lassen.

Im Protokoll der Vorstandsitzung vom 6.7.1950 ist dazu vermerkt:

„…als nächster Punkt stand ein schriftliches Angebot der Heidelberger Fahnenfabrik Schmid zwecks Reparatur der Vereinsfahne. Nach diesem Angebot würde eine Instandsetzung der Fahne rund 400,- DM kosten. Die wertvollen Stickereien könnten ganz übertragen werden auf eine neue Fahne und wir hätten für wenig Geld eine neue Fahne, denn sonst kostet eine neue Vereinsfahne bis zu 2000,- DM. Nach der Verlautbarung des Kassenbestandes waren alle Anwesenden für diese Instandsetzung.“

Der ewig klammen Vereinskasse der Liedertafel verdanken wir heute, dass unsere Vereinsfahne im Kern stolze 120 Jahre alt ist. Wer hätte das gedacht!

Gut, dass dieses alte Stück Vereinsgeschichte erhalten geblieben ist und unsere Liedertafel hoffentlich noch lange begleiten wird.

RK

 

Liedertafel – Zeitsplitter #3

 „Dass ein Verein überhaupt ein langjähriges Jubiläum feiern kann bedeutet, dass Generationen in dieser Gemeinschaft die Gemeinsamkeit von Jung und Alt pflegten und den Idealismus seit der Vereinsgründung lebendig hielten.“

Diese Aussage die wir sinngemäß der Festschrift zum 70-jährigen Jubiläum entnehmen konnten, hat auch heute noch seine Berechtigung.

Wo wäre ein Verein wenn nicht immer neue Generationen die Ideale forttragen, die Vereinstätigkeit weiterführen und den Verein auch weiterentwickeln würden?

Dass dieses Zusammenwirken von Jung und Alt nicht immer harmonisch von Statten geht, ist ebenso keine neue Erkenntnis. Und wenn die Vereinsjugend im Verein mitbestimmen will – ja dann gab es schon immer Konfliktpotential, wie folgende Protokollnotiz vom 20.Oktober 1926 belegt:

„Es wurde über die Lage der jetzigen Gesangsproben respektive unseres seit einiger Zeit kränklichen Dirigenten gesprochen. ….ist er nicht mehr unseren jungen Sängern gewachsen, die bei jeder Gelegenheit kundgaben, dass wenn nicht bald eine Änderung geschaffen werde, sie den Gesangsproben fernbleiben und somit der Verein in eine kritische Lage versetzt würde.“

Aber natürlich ging es weiter, auch wenn 2 Weltkriege und die damit verbundenen Einschnitte in das Vereinsleben die Sänger immer wieder in Bedrängnis brachten.  

Von 1944 bis 1948 ruhte die Vereinstätigkeit. Am 23.Januar fanden sich 18 Sänger der alten Liedertafel im Gasthaus „Rössel“ zusammen, um Jakob Kalbrunner zu beauftragen Schritte zur „Wiederauflebung des Vereins“ einzuleiten.

Jakob Kalbrunner, (Vorsitzender von 1948 bis 1953, Ehrenvorsitzender 1953-1973)

Gemeinsam mit Adam Elfner sprach Jakob Kalbrunner mit dem damaligen Kreis-Sängerführer Hans Feigenbutz in Rohrbach und sie kehrten „mit hoffungsvoller Befriedung“ zurück; mit der Zuversicht, dass „des Gesangvereines Liedertafel 1896 Leimen alter Klang bald wieder in Leimens Mauern ertönen“ werde.

Und bald darauf ging es endlich wieder los:

Am 20.März 1948 fand die erste Mitgliederversammlung statt, die Gesangstunden wurden am 16.April wieder aufgenommen und am 25.Oktober des gleichen Jahres betrug die Mitgliederzahl wieder 143 aktive und passive Sangesfreunde.

  RK

 

Liedertafel – Zeitsplitter #2

In unserem ersten Liedertafel Zeitsplitter durften wir an die Vereinsgründung im Jahre 1896 erinnern. Apropos: Erinnern Sie sich  noch an die Zahl der Gründungsmitglieder?

Richtig:  damals waren es 24!

Die ersten Jahre nach der Gründung waren dem Aufbau des Vereins gewidmet.

Wie erfolgreich die Mitgliederwerbung war, lässt sich an der stattlichen Zahl von Sängern anlässlich der Fahnenweihe 1901 ablesen.

Dass sich unter dieser Fahne immer mehr sangesfreudige Herren sammelten ist aus heutiger Sicht gar nicht so leicht zu verstehen. Waren doch schon früh erste Beschlüsse über die Pflichten eines Sängers gefasst worden, die wir heute sicherlich als sehr restriktiv ansehen würden.

Werfen wir dazu einen Blick in den Beschluss vom 26.März 1896

(Text aus der Jubiläumsschrift von 1966 entnommen)

„…wird von den aktiven Mitgliedern des Gesangvereins Liedertafel beschlossen, dass der Verein bei Hochzeiten und Leichenbegängnissen seiner Mitglieder durch Gesang mitzuwirken hat. Es wird jedem Sänger zur Pflicht gemacht dabei pünktlich zu erscheinen. Wer ohne genügenden Grund fernbleibt wird mit einer Mark bestraft…

Als genügender Grund können nur Krankheit und gerichtliche Sachen gelten.“

Man stelle sich nur vor, auch heute würde man ein begründetes Fehlen so eingrenzen! Gar nicht auszudenken. Die erzieherische Wirkung aber hat wohl bis heute gehalten, wie sonst wären Ehrungen für über 60 Jahre Singstundenbesuch ohne Fehlzeiten wohl zu erklären?

Bemerkenswert die angedrohte recht drastische Geldstrafe. Schon damals konnte man die Menschen wohl am Härtesten am Geldbeutel treffen. Das zumindest hat sich, bei allen sonstigen Veränderungen, bis auf den heutigen Tag nicht geändert.

Auch über die Ehefrauen der damaligen Sänger wurde, ohne deren Mitgliedschaft, per Beschluss verfügt. Im gleichen Beschluss wurde auch festgehalten:

„.. dass bei Leichenbegängnissen die Mitwirkung der Sänger auch auf deren Frauen auszudehnen ist.“ 

Eine Mitgliedschaft im Verein war damals somit keine persönliche Angelegenheit der Sänger, sondern betraf die ganze Familie.

RK

 

Liedertafel-Zeitsplitter 1:

Und wie fängt die Geschichte an? Natürlich wie alle guten Geschichten anfangen:

Es war einmal..

„Am 26. Januar 1896 hatte man im Gasthaus „Zum Rössel“ beschlossen nach dem Vorbild der norddeutschen Liedertafeln und  süddeutschen Liederkränze des 19.Jahrhunderts die Leimener Liedertafel zu gründen.

Zu einem für die Ortsgeschichte bedeutsamen Zeitpunkt kam diese Absicht nicht ungelegen.

Im Jahr 1895 war das Zementwerk in Heidelberg abgebrannt und man beabsichtigte bis 1896 in Leimen ein neues Werk aufzubauen. Im Verzeichnis der Gründungsmitglieder findet man

– in beruflicher Hinsicht – auffallend die Gruppe derer vertreten, die in irgendeiner Position vom Steinbrecher bis zum Schalttafelwärter und Bruchmeister oder auch als Zigarrenmacher den Beginn der Industrialisierung in Leimen unmittelbar miterlebten.

Dass diese Männer zu dieser Zeit etwas für das „Jenseits von Alltag und Arbeit“ suchten, ist besonders hoch einzuschätzen. Der Entschluss erscheint heute vielleicht noch wichtiger als damals, zu jener Zeit war es noch eine Vorahnung und Voraussicht, dass wir der „durch die Maschine in Schwung gekommenen Rastlosigkeit der Zeit“ und der Müdigkeit nach getaner Arbeit etwas Ermunterndes entgegensetzen müssen. Was konnte um 1896 den Menschen mehr begeistern als der Volksgesang und das mehrstimmig gesungene Lied?…“

(Den Beitrag haben wir der Festschrift zum 70. Jubiläum der Liedertafel Leimen entnommen.)

Das nachfolgenden Bilder zeigen die Gründungsurkunde und den 1. Vorsitzenden der Liedertafel Leimen Herrn Philipp Engelhorn (1896 bis 1908).

RK