
„Schwanengesang“ als Gesangserlebnis
Im Erhard-Renner-Saal der Leimener Liedertafel
Frauenchor, Männerchor, Konzertchor, Pro Arte, Singing Dreams und Bright Light
Es ist immer wieder aufs Neue erstaunlich, in den Genuss welch musikalischer Pretiosen man hierzulande gänzlich „fer umme“ kommen kann. Als mithin superbes Beispiel hierfür entpuppte sich das Konzert „Franz Schuberts Schwanengesang“ im Erhard-Renner-Saal der Liedertafel, das zum einen die Zuhörerschaft mit vortrefflichen Gesangsleistungen verwöhnte.
Und für das zum anderen tatsächlich kein einziger Cent Eintritt erhoben, um Spenden aber schon und sehr zu Recht gebeten wurde. Bestritten wurde die Darbietung von der Gesangsklasse von Hans-Josef Overmann, der auch den Konzertchor sowie die Chorgruppen „Singing Dreams“ und „Pro Arte“ der Liedertafel unter seinen dirigistischen Fittichen hat.
Am Klavier Platz nahm Florian Stricker und damit ein Pianist, der durchaus nicht nur an den Tasten zu glänzen versteht, beispielsweise als Dozent für Klavier an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Sondern auch als Cembalospieler, Dirigent und Komponist, dessen Werke laut dem Konzertprogramm „in ganz Deutschland aufgeführt“ würden.
Dementsprechend begleitete Florian Stricker nun die Overmannsche Gesangsklasse sehr erwartungsgemäß auf hohem musikalischen Niveau. In dieser aktiv sind im Sopran Corinna Brandenburger, Marieta Koch, Silke Otto und Andrea Waldi, im Mezzosopran Brigitte Leipert und wieder Andrea Waldi, im Tenor Henri-Jacques Delecluse, Steffen Groß, Manfred Hennige, Heinz-Walter Rössler und Hans-Jörg Rutsch und im Bariton und Bass Sergio Lencinas und Thomas Richter.
Kritik an deren Gesangsleistungen verbietet sich aber keineswegs deshalb, weil für die Aufführung wie bereits erwähnt kein Eintrittsgeld zu löhnen war. Sondern vor allem deshalb, weil die Sängerinnen und Sänger schlicht wunderbar Lieder wie „Im Freien“, „Der Wandrer an den Mond“, Bei dir allein“, „Am Fenster“, „Sehnsucht“ und „Das Zügenglöcklein“ erklingen ließen.
Oha, diese Lieder sind doch gar nicht im „Schwanengesang“ enthalten. Also in jener Liedersammlung, in der Franz Schubert unfassbare schöne Gedichte von Heinrich Heine, Ludwig Rellstab und Johann Gabriel Seidl vertonte und die ihren bis heute allgemein gebräuchlichen Namen erst nach seinem Tod erhalten hatte.
Diese Werkzusammenstellung beginnt seit eh und je mit der „Liebesbotschaft“ und „Kriegers Ahnung“, macht Station etwa an einem „Ständchen“, „In der Ferne“, und „Am Meer“ und endet mit „Der Doppelgänger“ und der „Taubenpost“. Genau diesen Liedern widmeten sich Hans-Josef Overmann, Florian Stricker und die Sängerinnen und Sänger dann im zweiten Konzertteil.
Bliebe das Fazit, dass natürlich offen ist, wann die Mitglieder dieser Gesangsklasse zu welchen Anlässen und in welchem Rahmen auch immer den Liebhabern herrlicher Lieder wieder eine Riesenfreude bereiten werden. Nicht offen ist hingegen, dass ihnen dies dem intensiven Applaus nach jetzt im Erhard-Renner-Saal gut über eine Stunde lang ohne jeglichen Abstrich gelungen ist.